Neulich kam ein Mitglied meines derzeitigen Teams in mein Büro und bat mich darum, dafür zu sorgen, dass sie eine Gehaltserhöhung bekäme. Sie sagte, es wäre ihr unangenehm darüber zu sprechen, aber es wäre für sie notwendig.

Warum ist es unangenehm über Geld zu sprechen? Bekommst du, was du verdienst? Oder verdienst du, was du bekommst?

Vielleicht denkst du jetzt, was hat denn das Thema Gehaltsverhandlung mit mir zu tun, wenn ich doch erst wieder in den Job einsteigen möchte? Vielleicht weißt du zu dem Zeitpunkt gar nicht, wie hoch dein Marktwert ist? Vielleicht hast du das Gefühl, nicht mehr so viel wert zu sein, weil du ein, zwei oder ein paar Jahre nicht gearbeitet hast (zumindest nicht in einer bezahlten Funktion).

Wenn du als Mutter nach der Elternzeit wieder arbeiten willst, könntest du versucht sein zu nehmen, was du bekommen kannst, ohne auf deine Bedürfnisse oder Anforderungen zu achten. Du hast ja schließlich eine längere Pause gemacht.

Du hast dich um die Familie gekümmert. Du standest für den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Da muss man doch zufrieden sein, wenn man überhaupt einen Job findet – oder? Und wenn es dann noch ein halbwegs attraktiver ist, kann man sich doch arrangieren?

Wenn du nicht mit einem viel zu niedrigen Gehalt hängen bleiben willst, bleibt dir nichts anderes übrig als deinen Mut zusammen zu nehmen und zu verhandeln. Wenn du dich nicht ewig darüber ärgern willst, dass deine männlichen Kollegen für die gleiche Arbeit ca. 21 Prozent mehr Gehalt bekommen, dann bereite dich vor und gehe in die Höhle des Löwen. Und verhandle dein Gehalt nach der Elternzeit. Je besser du starten kannst, desto weniger musst du später um dein Gehalt kämpfen.

Was machen Männer anders?

Und es gibt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Männer bewerben sich für einen Job, der ihnen gefällt, wenn sie etwa 60 Prozent der Anforderungen erfüllen. Frauen wollen am liebsten 100 Prozent oder noch mehr beherrschen, bevor sie sich trauen sich zu bewerben.

Männer sind der Ansicht, ihr Arbeitgeber müsste ihnen beweisen, warum sie das geforderte Gehalt nicht bekommen sollten, während Frauen glauben, sie müssten beweisen, dass sie das geforderte Gehalt verdienen.

Männer glauben immer, sie seien die besten (das kennst du vielleicht auch von zu Hause 😉) auch wenn andere ebenfalls gut sind. Frauen denken, die anderen sind alle so gut, da kann ich gar nicht die Beste sein. Oder sogar „da kann ich nicht mithalten, die anderen sind alle viel besser als ich.“

Merkst du etwas?

Frauen schätzen sich glücklich bei einer bestimmten Firma arbeiten zu dürfen. Männer sind der Ansicht, dass die Firma sich glücklich schätzen kann, dass sie dort arbeiten.

In diesem Falle können wir Frauen uns eine ganze Menge bei den Männern abgucken. Denn die Einstellung mit der Männer an diese Karriere-Dinge herangehen, führt häufig zum Erfolg. Darum gibt es auch so viel – zum Teil völlig überbewertete – Männer in höheren Positionen und Führungspositionen. Sie haben einfach eine andere Einstellung und ein anderes Selbstverständnis.

Positives Denken und Mindset

Denke in positiver Weise über dich selbst. Halte dir deine Stärken vor Augen. Schreibe alles auf, was du kannst und gelernt hast. Du wirst dich möglicherweise wundern, wie viel da zusammen kommt.

Schreibe jeden Tag auf, was du alles an dem Tag geschafft hast. Und wenn es all die kleinen Dingen des Lebens mit Kindern sind. So verdeutlichst du dir selbst, was du jeden Tag leistest.

Mach dir bewusst, was du kannst und was du leistest und es wird dir leichter fallen dein Gehalt nach der Elternzeit zu verhandeln, weil du besser einschätzen kannst was du „wert“ bist. Und es auch entsprechend selbstverständlich rüberbringen kannst.

Gehalt verhandeln nach der Elternzeit: bereite dich vor

Du bekommst nämlich was du dir selbst wert bist. Hast du ein schlechtes Gefühl und traust du dir selbst nicht allzu viel zu, dann wird dein Gegenüber das merken und du hast natürlich auch schlechte Karten was eine Gehaltsverhandlung angeht.

Bist du jedoch selbstbewusst und gehst du mit deinem Können selbstverständlich und souverän um, dann weiß auch dein Arbeitgeber, dass er dich nicht mit Peanuts abspeisen kann.

Natürlich bist du aufgeregt, wenn du zu einem Bewerbungsgespräch gehst. Das ist ganz normal. Jeder ist aufgeregt. Und es hat auch einen Vorteil. Wenn du einen gewissen Grad an Anspannung hast, dann bist du voll da, hellwach und voll konzentriert.

Wie wäre es mit einem Telefonat?

Angeblich telefoniert ja heute kaum noch jemand. Allerdings lassen sich am Telefon viele Dinge sehr konzentriert besprechen. Ich selbst habe meine letzte Gehaltserhöhung ebenfalls am Telefon verhandelt. Und ich habe noch nie gern telefoniert.

Wenn man allerdings gut vorbereitet ist und weiß, wo man hin will, dann eignet ein Telefonat sich sehr gut, um das eigene Gehalt zu verhandeln. Dabei können auch auftretende Fragen schnell und unkompliziert beantwortet werden.

Wichtig ist eine ruhige Umgebung. Wenn deine Kinder um dich herumspringen, während du dein Gehalt nach der Elternzeit verhandelst, ist das sicher keine gute Idee.

Lass dir Zeit

Je mehr jemand versucht, dich zu einer schnellen Unterschrift zu drängen, desto vorsichtiger darfst du sein. Denn dann könnte es zum Beispiel sein, dass du zu wenig Gehalt verhandelt hast und der Arbeitgeber schnell deine Unterschrift möchte, bevor du dir dessen bewusst wirst.

Du musst auch nicht das erstbeste Angebot annehmen. Wenn du während deiner Suche eine weitere interessante Stelle findest oder angeboten bekommst, ist es auf jeden Fall ratsam, sich diese etwas genauer anzusehen. Du willst nicht eine gute Gelegenheit verpassen, weil du zu schnell warst.

Wenn du sogar das Glück hast, dass du zwei Stellen gleichzeitig verhandeln kannst, dann kannst du deren Nutzen gegeneinander abwägen und es ist auch ein Pfund, mit dem du wuchern kannst. Vor allem, wenn du beide Stellen annehmen würdest, könntest du in Bezug auf die Bedingungen durchaus ein wenig pokern.

Geld macht nicht glücklich, aber es erleichtert das Leben

Lass uns über das Gehalt sprechen. Wenn du nicht gerade im Öffentlichen Dienst eine Anstellung suchst, in dem es festgelegte Gehaltsstufen gibt, hast du so gut wie immer die Möglichkeit zu verhandeln.

Und wenn es nicht mehr Geld ist, dann versuche andere Vergünstigungen auszuhandeln. Einen Zuschuss zur Kinderbetreuung zum Beispiel oder auch ein Dienstfahrrad. Es gibt hier viele Möglichkeiten und manchmal sind diese steuerlich sogar besser gestellt.

Es ist wesentlich leichter zu Beginn ein besseres Einstiegsgehalt zu verhandeln, als später Nachforderungen zu stellen. Und wesentlich Erfolg versprechender. Das ist deine Chance dein Einkommen zu erhöhen und da zukünftige Gehaltserhöhungen sich an dem Einstiegsgehalt orientieren, profitierst du gleich mehrfach.

Mehr Geld, weniger Probleme.

Hol dir Unterstützung

Wenn du noch nicht so lange im Geschäft bist, kannst du einen Freund oder Berater in Sachen Gehaltsverhandlung suchen. Jemanden – es kann vielleicht auch eine Freundin oder ein Kollege, eine Kollegin sein – der oder die sich auskennt und schon länger dabei ist.

Solche Menschen wissen, wie man sich selbst am besten präsentiert. Sie können dir sagen, wie du wirkst. Wie du deine Leistungen hervorhebst, ohne angeberisch zu sein. Womit man beginnt und vieles mehr.

Denn bei einigen sogenannten Verhandlungstaktiken ist Vorsicht geboten. So solltest du möglichst nicht direkt damit drohen, dass du die Firma verlässt – es sei denn, du bist wirklich bereit es dann auch zu tun.

Auf die Schulter klopfen darfst du dir aber durchaus. Denn nur in den seltensten Fällen wird man wissen, was du alles leistest in deinem Bereich, wenn du es niemandem sagst.

Orientiere dich am Markt wenn du dein Gehalt nach der Elternzeit verhandelst

Verhandele. Unbedingt. Und tue es in einem vertretbaren Rahmen. Wenn du als Abteilungssekretärin anfangen willst, ist ein sechsstelliges Jahresgehalt schlicht unrealistisch oder um mit Mr. Spock zu sprechen: „most illogical“. Und du willst ja einen Job und ein regelmäßiges Einkommen.

Inzwischen gibt es verschiedene Gehaltsrechner und Vergleichsportale, denen du zumindest einen Gehaltsbereich für eine vergleichbare Position entnehmen kannst. Du hast also „von bis” Zahlen. Hinzu kommt – sofern du vor der Elternzeit bereits gearbeitet hast – dein eigenes früheres Gehalt. Vielleicht kennst du auch jemanden, der einen ähnlichen Job macht, wie den, den du anstrebst.

Weitere Argumente für deine Gehaltsverhandlung nach der Elternzeit sind deine zusätzlichen Kenntnisse und Fähigkeiten. Je mehr Erfahrung du hast, desto weniger bist du vergleichbar und kannst auch entsprechend mehr Gehalt erzielen.

Wenn das Angebot von vornherein absolut fair ist, solltest du nicht mehr zu viel zusätzlich verlangen. Je nachdem mit was du dich wohlfühlst, können das etwa 5-10 Prozent sein. Und wenn du ein überaus großzügiges Angebot bekommst, mehr als du dir als Obergrenze gewünscht hattest, dann kannst du vielleicht noch nach den Extras fragen und ansonsten lass es gut sein.

Mit Geld kann man nicht alles kaufen

Geld allein macht nicht glücklich. Und es ist nicht der einzige Faktor, von dem es abhängt, ob du dich wohlfühlst in deiner neuen Umgebung. Wenn du dir zum Beispiel eine andere Bezeichnung für deine Tätigkeit wünschst, dann frag einfach, ob das möglich ist.

Fühlst du dich mit flexiblen Arbeitszeiten wohler, weil du dann deine Kinderbetreuung besser organisieren kannst? Dann frag nach Gleitzeit-Modellen. Oder nach Homeoffice- Tagen.

Überlege, welche Aspekte für dich persönlich wichtig sind. Schreibe diese auf. Mach eine Liste und priorisiere die Punkte. Was musst du unbedingt haben, was möchtest du haben und was wäre vielleicht ganz schön, ginge aber auch ohne?

Finde einen Weg

In jeder Verhandlung ist deine Position – natürlicherweise – „ich will mehr“, während dein Gegenüber mit ziemlicher Sicherheit die Position „ich will die bestmögliche Besetzung zum geringstmöglichen Preis“ vertritt.

Daher gibt es natürlich zwei unterschiedliche Positionen, aber keine Rivalität. Denn im Grunde wollen beide dasselbe: Du willst den Job und dein Arbeitgeber will ihn besetzen. Eine Verhandlung ist also kein Kampf „auf Teufel komm raus“, sondern ein vorsichtiges Abwägen der Möglichkeiten. Im besten Fall haben beide am Ende das Gefühl etwas gewonnen zu haben.

Meistens enden Verhandlungen mit einem Kompromiss. Du bekommst vielleicht nicht ganz so viel mehr, wie du gehofft hattest und dein Arbeitgeber zahlt einiges mehr, als er ursprünglich wollte. Um zu dem Kompromiss zu kommen, hast du ja deine Prioritätenliste im Kopf. Davon dienen einige Positionen auch als Verhandlungsmasse, die du während des Gesprächs aufgeben kannst.

Fazit Gehalt verhandeln nach der Elternzeit

Im Idealfall hast du am Ende den Job, den du willst mit den Aufgaben und Verantwortungen, die du gerne möchtest. Dazu einen entsprechenden Jobtitel und ein paar zusätzliche Vergünstigungen oder Zuschüsse. Vielleicht bekommst du nicht alles, was du wolltest, aber du solltest auf jeden Fall ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.

Zum Weiterlesen:

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