Ich war neulich bei einer Freundin und habe dort dieses Schild gesehen, auf dem stand: „Good moms have dirty ovens, sticky floors and happy kids“ – „also gute Mütter haben schmutzige Öfen, klebrige Böden und glückliche Kinder“.

Wie findest du diese Aussage? Sagst du, das sehe ich auch so? Oder sagst du „das geht gar nicht?“

Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen, weil es die Perspektive verändert. Wichtig ist doch, dass es den Kindern gut geht. Andere Dinge können dafür gern mal liegen bleiben, oder von jemand anderem erledigt werden.

Es muss gar nicht immer alles perfekt sein.

Deinen Kindern ist das nämlich total egal, wie der Ofen aussieht. Oder, wenn sie schon etwas größer sind: Es ist ihnen auch egal, wie ihr eigenes Zimmer aussieht. Hier ist es natürlich wichtig, sie zu einer gewissen Grundordnung anzuleiten – ebenso wie du es auch vorlebst.

Aber erstens darf die Wäsche, der Abwasch oder was auch immer gerne mal liegen bleiben. Zweitens kann das auch jemand anderes machen: dein Partner, deine Mutter, deine Haushaltshilfe. Lass dir helfen und nimm Hilfe an. Und drittens, wenn du es selbst machen musst, kannst du schon sehr früh deine Kinder mit einbeziehen, so dass sie lernen, dass alles gemeinsam viel schneller geht und außerdem auch mehr Spaß macht.

Für meine Kinder ist es schon lange eine der Aufgaben im Haushalt, die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Mit der Zeit können sie auch mehr Aufgaben mit übernehmen. So verbringst du Zeit mit deinen Kindern und räumst auf. Wer sagt denn, dass die Zeit mit den Kindern immer nur aus Spiel und Spaß bestehen sollte?

Und wie gesagt: Es muss nicht perfekt sein. Keiner von uns ist perfekt, auch wenn es manchmal vielleicht so aussieht. Aber was du siehst, ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Also gerade mal etwa fünf Prozent. Die anderen 95 Prozent siehst du nicht.

Und als berufstätige Mutter stehst du natürlich auch manchmal besonders unter Druck. Zum Beispiel kann noch Zeitdruck hinzukommen, weil du zu einer bestimmen Zeit an einem bestimmten Ort sein musst oder einen Abgabetermin hast oder ein Online-Meeting.

Bei der Firma für die ich gerade als Interims Managerin tätig bin, gab es in den vergangenen zwei Wochen die Jahres Auftakttagung und die fand online statt.
Die offiziellen Tagungsregeln beinhalteten explizit, dass Kinder erlaubt sind.

Durch Homeoffice haben sich zum Glück inzwischen viele Firmen auch darauf eingestellt, dass es in vielen Haushalten eben Kinder gibt und das diese zum Leben dazu gehören und die Firmen lernen damit zu leben und akzeptieren es. Da muss man sich nicht mehr den Kopf machen.

Du kannst also immer deine Perspektive – deine Einstellung wählen. Du entscheidest.

Manchmal hast du vielleicht trotzdem das Gefühl, was du mit oder für deine Kinder machst, reicht nicht. Ist es nicht so?

Du glaubst, es reicht deinen Kindern nicht. Wenn du zum Beispiel versucht, etwas extra Nettes für die Kinder zu tun und sie reagieren darauf nicht oder finden es sogar blöd.

Du willst ihnen ein Eis kaufen, sie wollen lieber Schokolade. Du möchtest mit ihnen in den Zoo, sie wollen lieber ins Kino.

Es gibt ein Thema, das sicherlich die meisten von uns in irgendeiner Art und Weise beschäftigt. Homeschooling oder Distanzlernen sind schöne Begriffe für etwas, das zumindest bei meinem Sohn nur sehr unzureichend funktioniert hat. Wie war es bei dir? Warst du zufrieden, wie es lief?

Ich kann nur sagen, manche Lehrer können es, manche nicht. Manche machten es regelmäßig, manche nicht. Bei einigen Fächern gab es Hausaufgaben – oder überhaupt Aufgaben, von anderen kam nichts.

Ich denke schon, dass wir als Mütter das Fehlen des qualifizierten Unterrichts nicht auffangen können und auch nicht sollten. Ich glaube nicht, dass unsere Kinder dadurch nicht aufholbare Defizite erfahren werden. Denn entweder kommen sie in der nächsten Klasse einfach wieder rein – mit dem was sie im Homeschooling gelernt haben – oder zur Not können sie eine Klasse wiederholen.

Nimm den Druck raus

Auch hier darfst du den Druck rausnehmen. Auch hier wird es sich einpendeln. Wenn die Kinder eine Berufsausbildung oder ein Studium absolvieren, interessiert sich nachher keiner mehr dafür, wie viele Jahre sie zur Schule gegangen sind, um ihren Abschluss zu bekommen.

Meine Tochter hat sich neulich bei mir beschwert, dass ich nach über einer Stunde des Englisch-Lesens mit ihr ungeduldig geworden bin. Dazu muss ich sagen, dass meine Tochter schwere Legasthenikerin ist und ihr das Lesen extrem schwerfällt – insbesondere natürlich bei Fremdsprachen. Wir reden hier von mehr als einer Stunde lesen für eine einzige Seite.

Auf jeden Fall hat sie sich beschwert, dass ich ungeduldig geworden bin und keine Lust mehr hatte.

Ich kann natürlich ihre Perspektive verstehen: für sie ist es unglaublich schwer und anstrengend.

Ich habe ihr daraufhin allerdings erklärt, dass ich auch nur ein Mensch bin – und manchmal werde ich dann eben ungeduldig, weil es einfach unendlich lange dauert. Das ist ja nicht böse gemeint, sondern nur menschlich. Und das dürfen wir uns sehr gern erlauben: menschlich zu sein – nicht perfekt, sondern einfach menschlich.

Auch Mütter sind Menschen mit Ecken und Kanten.

Frei nach Hebbel: Auf jeden Fall ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts.

Manchmal fühlt sich alles vielleicht einfach nicht gut genug an. Aber warum? Du denkst möglicherweise, egal was du machst, deinen Kindern reicht es nicht. Sie wollen immer mehr oder etwas anderes. Wenn sie sich dann beschweren (oder schreien, wenn sie noch im entsprechenden Alter sind) dann kann es schon vorkommen, dass du das persönlich nimmst. Dass du dir diesen Schuh anziehst.

Aber du hast die Wahl – immer. Du kannst entscheiden, dass du es richtig machst. Du setzt Grenzen- wunderbar. Deine Kinder sagen dir, was sie wollen, das ist doch super. Du kannst deinen Kindern im Gegensatz auch ganz klar sagen, was geht und was nicht geht  – und auch wie du dich dabei fühlst.

Nicht nur deine Kinder haben das Recht ihre Gefühle auszuleben – nein, das hast du natürlich auch. Und nicht nur die guten.

Ich sage meinen Kindern jeden Tag, dass ich sie lieb habe. Ich sage Ihnen aber auch, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Ab welchem Alter der offene Umgang mit Gefühlen wie möglich ist, hängt natürlich von dem allgemeinen Umgang und der Offenheit mit der du und deine Familie mit Gefühlen umgehen zusammen.

Es gibt 100 Möglichkeiten, wie du die Dinge betrachten kannst. Du kannst die Perspektive wählen, in der du dich gut fühlst. Wie fühlst du dich heute? Wie hast du dich heute entschieden, dich zu fühlen? Wie wirst du dich morgen entscheiden?

Und trotz all der Tränen Wutanfälle oder einfach Widerstand, kannst du dich jeden Tag dafür entscheiden, dass du eine gute Mutter bist.

Welche Perspektive möchtest du heute einnehmen? Es ist deine Entscheidung.

Die meisten Frauen glauben, dass das Verhalten ihrer Kinder eine Erweiterung dessen ist, wie gut sie als Mutter sind… aber das ist so, als würde man sagen, dass das Verhalten ihres Mannes eine Erweiterung dessen ist, wie gut sie als Frau sind… oder dass das Verhalten ihrer Welpen eine Erweiterung dessen ist, wie gut sie als Hundebesitzer sind.

Wir haben niemals die Kontrolle über das Verhalten eines anderen Menschen. Und so kann das Verhalten oder Reagieren eines anderen niemals etwas über uns als Mütter, Berufstätige, Partner oder Hundebesitzer bedeuten.

Wenn wir aufhören, das Verhalten oder die Reaktion anderer als Indikator dafür zu betrachten, wie gut wir sind, können wir einfach selbst entscheiden. Es steht uns frei, jeden Tag die beste Version von uns zu sein.

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